Die Alte Dorfschmiede in Wachenheim – Ein Stück lebendige Geschichte, für jeden jederzeit zu besichtigen – kostenlos

Mitten im Herzen von Wachenheim steht die alte Dorfschmiede, ein eindrucksvolles Zeugnis der Handwerkskunst und des dörflichen Lebens vergangener Jahrhunderte. Erbaut um 1750, war sie über viele Generationen hinweg ein zentraler Ort des Dorflebens. Hier beschlug der Dorfschmied Pferde, fertigte Radreifen und reparierte Kleingeräte für die Landwirtschaft und den Weinbau.

Nach fast zwei Jahrhunderten im Einsatz erlosch 1959 die Esse (Feuerstelle des Schmieds) des letzten aktiven Schmieds. Doch die Erinnerung an dieses wichtige Handwerk wurde bewahrt. 1989 erwarb die Gemeinde Wachenheim die Schmiede samt Inventar und ergänzte diese behutsam mit weiteren historischen Werkzeugen. So konnte ein authentisches Zeitzeugnis geschaffen werden, das die Geschichte des Schmiedehandwerks für nachfolgende Generationen erlebbar macht.

Heute erstrahlt die Dorfschmiede in neuem Glanz. Nach einer umfassenden Restaurierung ist sie nun für die Öffentlichkeit zugänglich – und das zu jeder Zeit. Besucher können die Schmiede selbstständig betreten, indem sie über eine Handy-Nummer den Zugang öffnen, der Eintritt ist kostenlos. Im Inneren sind die Arbeitsplätze sowie historischen Werkzeuge hinter einem Glasschutz ausgestellt.

Ein besonderes Highlight ist das integrierte Video, in dem ein Experte das traditionelle Schmiedehandwerk erklärt. Ob Jung oder Alt – die Dorfschmiede bietet einen faszinierenden Einblick in eine längst vergangene Zeit und macht Geschichte hautnah erlebbar.

Die Alte Dorfschmiede in Wachenheim ist mehr als nur ein Gebäude – sie ist ein lebendiges Museum, das den Besuchern die Bedeutung des Schmiedehandwerks und seine zentrale Rolle in der dörflichen Gemeinschaft nahebringt.

Die genaue Adresse lautet: Hauptstraße 32, 67591 Wachenheim

Wenn der Entdeckergeist dann noch nicht gestillt ist, bietet sich eine Entdeckertour durch das benachbarte Schlossgut Lüll an – ebenfalls selbständig und kostenlos.

Die evangelische Kirche

Die evangelische Kirche in Wachenheim geht in ihrem Ursprung auf das 13. Jahrhundert zurück. Sie wird erstmals 1325 in einer Urkunde von Papst Johannes dem XXII erwähnt. In einer im Heimatbuch für Wachenheim abgedruckten Kurzfassung wird der Inhalt der Urkunde übersetzt wie folgt vom Autor wiedergegeben:

„…Da wir wünschen, dass die Kapelle des heiligen Remigius und der heiligen Jungfrau Maria, sowie der Heiligenschrein, welchen die Herren Dietz, Gerhardus und Gerhardus Betelere, Ritter von Wachenheim, über das Meer mitgebracht und dieser Kapelle gestiftet haben, eifrig besucht und verehrt werde, so gewähren wir allen, die ihre Sünden bereuend und beichtend zu diesem Heiligtum am Gedächtnistag dieser Heiligen, am Weihetag dieser Kapelle oder an sonstigen Feiertagen…..aus Gelübde oder Wallfahrt jährlich kommen, oder die in Sterbensnot ihr etwas vermachen, den Leib Christi oder das heilige Öl besorgen, Krankenpflegedienst sich weihen, oder beim Läuten der Frühglocke knieend 3 Ave Maria beten, oder den Kirchhof dabei umrunden und für die Seelen der darauf Begrabenen ein Vaterunser und den englischen Gruß sprechen, oder vor dem Namen Jesu Christi und dem glorreichen Namen seiner Mutter Maria das Haupt neigen und die Knie beugen, in Gnaden einen 40 tägigen Ablaß…

Gegeben zu Avignon, am apostolischen Sitz, den 6. Mai 1325 im 9. Jahre des Papstes Johannes XXII.“

Der Marienaltar

Der Marienaltar wurde 1489 gestiftet. Diese Jahreszahl ist auf dem Sockel der Marienfigur mit dem Wappen des Stifters, eine Harfe mit einem gekrönten Manneshaupt dokumentiert. Das Wappen wird den Landschaden von Steinach zugeordnet. Von ursprünglich vier gotischen Altären in der einstigen Remigius Kapelle überstand dieses Juwel alle Unbilden der Zeitgeschichte. Im Heimatbuch für Wachenheim an der Pfrimm schreibt Pfarrer Würth 1930:

„Der auf einem aus Tuffstein aufgemauerten Unterbau stehende Altarschrank ist ein sogenannter Flügelaltar und zeigt, wenn er geöffnet ist, die Mutter Jesu mit dem Kinde. Maria trägt eine gleichfalls aus Holz geschnitzte prachtvolle Krone und hat besonders feine und gemütsvolle Gesichtszüge. Ihr Haupt ist von aufgelöstem, lockig niederwallendem, reichen Haare umgeben. Anmutig trägt sie auf dem linken Arm den kleinen Jesusknaben, welcher das rechte Ärmchen, mit einer goldenen Birne im Händchen, kindlich tändelnd emporhebt. Weltvergessend, voll Mutterglück und sinniger Anmut, kehrt Maria den Blick nach innen. Ihr Gewand ist in ausgezeichneter Weise gefaltet. Die ganze Gruppierung ist von großer Naturwahrheit und zeigt die Kunst eines uns leider bis jetzt unbekannten Meisters der spätgotischen Holzplastik. Die Flügeltüren des Altars sind innen und außen bemalt…

…Auf der Außenseite des Flügels ist ein Heiliger mit einem Buche gemalt. Die Madonna im Schreine selbst steht vor einem auf die Rückwand aufgemalten Teppich, über welchen zwei geflügelte Engel in halber Gestalt als Brustbilder hinausragen. Der Unterbau des Holzaufbaus trägt im Bild das Schweißtuch der heiligen Veronika mit dem gut gemalten Haupte Jesu darauf, von zwei schwebenden Engeln gehalten.“

Die Oberburg in Wachenheim

Blickt man von Ferne auf das malerische Weindörfchen Wachenheim an der Pfrimm (am besten von einem der Nordhänge), findet das Auge sofort Halt an einem siebenstöckigen Wohnturm. Dies ist die Oberburg der Druschel von Wachenheim.

Schon den Franken war die strategisch günstige Lage von Wachenheim entlang der Pfrimm am Ausgang des Zellertales bewußt. Wahrscheinlich gab ein Franke namens Wacko, der sich in dieser frühen Zeit hier niederließ, der Ansiedlung seinen Namen.

Urkundlich belegt sind später die Grafen von Leiningen als die Herren von Wachenheim. Aufgrund der geographischen Lage gab es schon früh mehrere Befestigungen. Eine zu Kurtrier gehörende Burg im Westen des Ortes ist heute verschwunden. Auch die Unterburg, das Pendant zur Oberburg, hat die Zeiten nicht überdauert. links gewendelter Steintreppe.

In Mitten der erhaltenen Schlossanlage der Oberburg steht jedoch heute noch festgefügt in eisenhartem Mauerwerk der mittelalterliche, sechs Stockwerke hohe geräumige Wohnturm (14/15 Jh.). Der mächtige Bergfried gilt als der größte Wohnturm Rheinhessens. Er ist seit alter Zeit mit einem Walmendach gedeckt. Hinauf führt ein nördlich angebautes rundes Stiegentürmchen mit schöner links gewendelter Steintreppe.

An der Nordwand lassen sich noch jetzt sogenannte „Pechnasen“ erkennen, die einzelne vorspringende Konsolsteine andeuten, welche ehemals mit einem Wehrgang verbunden waren. Von diesem herab konnten andringende Feinde bei Belagerungen mit Steinen, Pfeilen, kochendem Wasser, heißem Öl oder Pech abgewehrt werden. Der in alten Pergamenten „Thorknecht“ genannte Wachposten vermeldete das Kommen von Feinden weithin hörbar mit seinem Horn.

Gotische Kaminanlagen und Vorrichtungen für hölzerne Schiebebalken zum Verrammeln der spitzbogigen Türen und Schießscharten verraten noch gegenwärtig, dass der Turm in höchster Not zum letzten Zufluchtsort für die Burgbewohner bestimmt war. Und solcher waren es bestimmt nicht wenig. War doch diese, ebenso wie andere Burgen, in gemeinsamem Besitz verschiedener Stammverwandten der weitverzweigten Familie.

Die Inhaber nennen sich deshalb auch zuweilen „die Ganerben“ oder reden von ihren „Mitgemeinen“. Außer den Familien der Besitzer beherbergte ein solches Schloss aber auch noch mehrere der vorhin schon erwähnten Turmknechte und Wächter, Keller oder Schaffner, welchen die Guts- und Wirtschaftsverwaltung oblag. Desweiteren sicherlich auch Pferdeknechte, Statt- und Hausmägde, Eseltreiber und Handwerker, besonders Wagner und Schmiede. Von einer Burgkapelle, welche die einsamer stehenden Bergschlösser in der Regel auch besaßen, ist bei der Wachenheim Anlage nichts bekannt.

Quellen:

– Heimatbuch für Wachenheim von Johannes Würth 1930; im Reprint für 28 EURO über die Gemeinde zu beziehen.

– Fritz Reuter: Worms und der Wonnegau 1987.

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung von regionet-history zur Verfügung gestellt.

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